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1. Herren
Freitag, 20.02.2026 15:39 Uhr | Johannes Hedemann

Vor Braunschweig: Chronologie einer Aufholjagd

Es läuft die 89. Minute des vierten Spieltags der Saison 2025/2026 der Oberliga Niedersachsen. Vor wenigen Minuten hat der TuS Bersenbrück seine 3-Tore-Führung beim Nachwuchs von Eintracht Braunschweig verspielt, das 3:3 kassiert und steht nun vor einem weiteren herben Rückschlag einer noch jungen, aber bisher ziemlich verkorksten Spielzeit. Fällt der TuS den hohen Erwartungen zum Opfer? Ein paar Sekunden später kommt alles anders.




Der Kapitän geht voran

Marcos Álvarez steht nah am rechten Seitenaus, ungefähr zehn Meter tief in der gegnerischen Hälfte, bereit, eine letzte Freistoßflanke in den Strafraum zu schlagen. Eigentlich liegt das Momentum bei den Gastgebern, die sich mit großer Moral zum Ausgleich gekämpft hatten und sogar Blut geleckt haben, das Spiel komplett zu drehen. Für diesen Moment muss der BTSV aber sein eigenes Tor verteidigen. Álvas Hereingabe landet auf Höhe des Elfmeterpunktes, weil der Ball sich vom Tor wegdreht hat der Keeper eine unangenehme Aufgabe.

Für einen Kopfball ist der Ball für zwei Bersenbrücker zu hoch und auch für Nicolas Eiter, der sich zwar im Zweikampf durchsetzen konnte, scheint der Ball unerreichbar. Der Kapitän entscheidet sich daher aber für eine Grätsche, um dem Ball irgendwie mit seinem langen Bein den entscheidenden Richtungswechsel mitzugeben. Und es gelingt ihm: Sein Abschluss findet tatsächlich den Weg ins Tor.

Sekunden zuvor herrschte Totenstille auf der Ersatzbank, nun bricht das Oberligateam mit einem Mal in den vielleicht emotionalsten Jubelschrei der Saison aus. Vier Minuten Nachspielzeit später fällt eine gewaltige Last ab: Drei Spieltage ohne Sieg und mit nur einem Unentschieden hatten eine Menge Unsicherheit gesät, doch jetzt hat es wieder geklappt. Der TuS Bersenbrück verlässt Platz 13 und schaut wieder nach oben.




Bessere Ergebnisse auf wackligen Beinen

Mit dem zweiten Sieg in Folge bei den starken Aufsteigern des MTV Wolfenbüttel (1:2), sowie einem verdienten Heimsieg gegen Lupo Martini Wolfsburg (4:2) sieht die Welt schon wieder ganz anders aus im Hasestadion im Culimeta-Sportpark. Die Neuzugänge Maik Emmrich, Simon James und Fyn Luca Ebeling beweisen mit ihren Toren, wie wichtig sie für den Verein sein können, und auch auf bekannte Säulen wie Markus Lührmann und Marcos Álvarez ist Verlass.

Auf den zweiten Blick fällt aber auf, dass die Mannschaft von Cheftrainer Andy Steinmann noch nicht auf dem Level ist, dass sie haben kann und will. Jeder der drei Siege in Folge hätte genau so gut anders ausgehen können, zu selten hat das Oberligateam ein Spiel so richtig unter Kontrolle. Jetzt-Geschäftsführer Thorsten Marunde-Wehmann spricht im Kicker-Interview über eine Phase, die auch böse hätte enden können.

[...] es hätte in beide Richtungen gehen können. Denn es waren nicht nur die Ergebnisse, die nicht stimmten, sondern auch die Art und Weise, wie wir aufgetreten sind.
Thorsten Marunde-Wehmann, Geschäftsführer des TuS Bersenbrück, im Interview mit dem Kicker


Ein weiteres Mal muss der TuS Bersenbrück seiner fehlenden Konstanz Tribut zollen, als das Derby gegen den SC Spelle-Venhaus verloren geht. Zwar spielt die Mannschaft keineswegs schlechter, doch bis zur 66. Minute treffen nur die Gastgeber aus dem Emsland das Tor, und das gleich drei Mal. Am Ende steht eine schmerzhafte 4:2-Niederlage, die auch die Frage aufwirft: Reicht es diese Saison einfach nicht gegen die großen Gegner?




Endlich den Schalter umgelegt

Doch. Denn mit einem fulminanten 5:0-Heimsieg gegen den Lüneburger SK Hansa drückt der TuS endgültig auf das Gaspedal und erarbeitet sich mit immer besser werdenden Leistungen auch das nötige Selbstvertrauen. Nach der Derbypleite verliert das Oberligateam bis zum Jahreswechsel kein einziges Spiel mehr, stattdessen holt es sieben Siege (inkl. ein Sieg im Pokal) und drei Unentschieden. Mit dabei: Klare, hochverdiente Siege gegen den 1. FC Germania Egestorf-Langreder (1:4 auswärts) und gegen den Heeslinger SC (3:0), zwei Topmannschaften der Oberliga.

Anfang 2026 steht also eine starke Bilanz: Tabellenplatz 3, punktgleich mit dem Zweiten. Dazu ein Niedersachsenpokal-Halbfinale im April in Wilhelmshaven. Auf dem Transfermarkt wurde der Kader weiter verstärkt, denn mit Hakim Traoré und Michel Eickschläger steigt die Qualität in der Breite und der Spitze. Dementsprechend ambitioniert sind auch die Ziele für die restliche Saison: Es soll der ganz große Wurf sein.

Ich möchte den Aufstieg und den Pokalsieg erreichen. Man hat noch beide Chancen offen, und da will ich natürlich persönlich weiterhelfen.
Michel Eickschläger im Interview auf @tusbersenbrueck





Re-Start da, wo die Aufholjagd anfing

Nach einer turbulenten Wintervorbereitung mit vielen Spielausfällen steht sie nun wieder vor der Tür, die Oberliga Niedersachsen. Am Sonntag, den 22. Februar um 15:00 Uhr, steht die Elf von Andy Steinmann wieder für ein Pflichtspiel auf dem Rasen, und zwar auf dem Kunstrasen im Bersenbrücker Hemkestadion. Der Gegner? Ausgerechnet die U23 von Eintracht Braunschweig, dessen eigene Aufholjagd im Hinspiel ungekrönt blieb und damit die im Gegenzug die Aufholjagd des TuS Bersenbrück beginnen ließ.

Es ist Feuer drin, denn auch Braunschweig braucht jeden Punkt, um am anderen Ende der Tabelle seine Ziele zu erreichen. Vergangene Woche gelang das nicht, stattdessen gab es eine 1:2-Niederlage gegen den Heeslinger SC. Schafft es der TuS Bersenbrück, seine Aufholjagd fortzuführen? Nach dem Wochenende wissen wir mehr.

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