Vierfacher Lührmann: TuS gewinnt hitzigen Freitagabend
Wie auch sonst? Der erste Oberliga-Sieg im laufenden Jahr sollte nie ein glanzvoller sein. Am Freitagabend entscheiden vor allem einzelne starke Momente ein insgesamt fahriges Duell in den Waldsportstätten des BSV Rehden. Der Mann des Abends ist ein hervorragend aufspielender Markus Lührmann mit gleich vier erzielten Toren.
Druck auf beiden Seiten, Dampf auf dem Kessel
Die jeweils letzten vier Oberliga-Spiele des BSV Rehden und des TuS Bersenbrück haben insgesamt genau null (!) Siege zu bieten. Dabei kann das Oberligateam aufgrund seiner besseren Tabellensituation und des kürzlichen Finaleinzugs im Niedersachsenpokal noch deutlich besser durchatmen – der BSV Rehden droht derweil tatsächlich in den Abstiegskampf abzusinken.
Gepaart mit dem nicht wirklich hurra-fußball-freundlichen Rasen in den Rehdener Waldsportstätten kommt es am Freitagabend also genau wie erwartet: Es entsteht ein ruppiges, oft hitziges Duell mit nur wenigen spielerischen Höhepunkten. Die erste größere Gelegenheit entsteht folgerichtig aus einer Standardsituation, als Patrick Greten seinen Freistoß aus 20 Metern flach auf das kurze Eck zielt. BSV-Torhüter Daniel Banfalvi kann gerade noch rechtzeitig abtauchen und die Bersenbrücker Führung verhindern.
Nach vielen Fehlpässen und unzähligen Zweikämpfen geschieht kurz vor der Pause die wohl mehr oder minder spielentscheidende Szene. Der bereits gelbverwarnte Rehdener Eric Anozie verliert den Ball an Saikouba Manneh und versucht, den Ball im Fallen mit dem Kopf zurückzuerobern. Dabei fällt er aber Manneh, der seinerseits die Umschaltsituation starten will. Der Unparteiische Bastian Winkler wertet die Situation als gelbwürdiges Foul und zeigt Anozie die Ampelkarte (41. Minute). Das sorgt für ordentlich Unmut auf Seiten des BSV Rehden, sodass auch Trainer Kristian Arambasic vom Platz verwiesen wird.
In Überzahl wittert das Team von Cheftrainer Andy Steinmann dann seine Chance. Michel Eickschläger verliert eigentlich den Ball 30 Meter zentral vor dem Tor, doch erobert ihn umgehend wieder, indem er zwei Pässe nacheinander gedankenschnell abfängt. Michel legt auf Saikouba Manneh, der den überlaufenden Philipp Schmidt im linken Strafraum findet. Philipp passt zurück auf Markus Lührmann und dieser vollstreckt mit dem zweiten Kontakt ins lange Eck zur Pausenführung (45.+2). Das Oberligateam hat sich doch tatsächlich seine mit Abstand beste Aktion der ersten Halbzeit für den letzten Moment aufgespart.
Markus' Eiseskälte in den entscheidenden Szenen
Mit einem gewissen Mut der Verzweiflung kommt der BSV Rehden aus der Pause, denn viel schlechter als die fünfte Niederlage in Folge könnte es für die Hausherren ohnehin nicht laufen. Dieser Intensität sind die Bersenbrücker, an denen Andy Steinmann zwei Änderungen vornimmt, um die Überzahl zu sichern, in den ersten Minuten nicht gewachsen. Nicht unverdient also ist es Alejandro Paris, der nach einer unübersichtlichen Situation eine Flanke an den langen Pfosten zum Ausgleich einköpft (55.).
Der Gleichstand lässt das Spiel noch wilder werden, da sich beide Mannschaften nun um die Führung bemühen. Dabei dominieren links wie rechts aber eher die unglücklichen Aktionen. Wenn es dann aber mal klappt mit der Spielkultur, dann gleich so richtig – wie auch in der ersten Halbzeit: Nicolas Eiter treibt die Kugel im Spielaufbau bis in die gegnerische Hälfte und steckt aus halblinker Position durch auf Philipp Schmidt, der auf dem linken Flügel tief startet. Mit dem ersten Kontakt schlägt der Linksverteidiger eine tolle Flanke in die gefährliche Zone, an deren Ende Markus Lührmann einläuft und mit Kraft und Gefühl einen wirklich sehenswerten Kopfball in die lange Ecke setzt (65.). Was für ein Angriff! Die Bersenbrücker Jungs brauchen drei Kontakte von der Mittellinie bis ins Tor für die erneute Führung.
Ab diesem Zeitpunkt scheint der Spirit bei den Gastgebern mindestens angeknockt zu sein. Genau in diese Phase hinein entscheidet Markus Lührmann mit seinem dritten (aber noch nicht letzten) Tor das Spiel, wenn auch mit mehr Glück als Verstand. Michel Eickschläger setzt sich am rechten Strafraumeck robust und technisch stark durch und hat Platz für eine Flanke in den Fünferraum. Ein missglückter Klärungsversuch landet dann bei Markus Lührmann, der sich für einen Volleyabschluss aus vier Metern Entfernung entscheidet. Dabei trifft der Stürmer den Ball aber gar nicht richtig – und genau deshalb genau richtig: Der Ball prallt vor dem BSV-Keeper auf den Boden auf und springt über dem grätschenden Torhüter hinweg zum 1:3 ins Netz (72.).
Seine ganze Klasse zeigt Markus Lührmann dann sogar noch ein viertes (!) Mal, weil er sich nach einem scharfen Querpass von Hakim Traoré einen ersten Kontakt aus dem Lehrbuch nimmt und somit seinen Verteidiger komplett auf dem falschen Fuß erwischt. Den satten Schuss aus 14 Metern platziert Markus gar nicht genau ins Eck, doch zu allem Überfluss lässt der Torhüter seinen Abschluss irgendwie durchrutschen und verhilft Markus so zu seinem Viererpack (80.).
Neun gelbe Karten, zwei Platzverweise und ein erarbeiteter 4:1-Auswärtssieg stehen am Ende also auf der Notiz-Karte des Unparteiischen Bastian Winkler. Ganz egal wie, für den TuS Bersenbrück ist der Erfolg beim BSV Rehden ein weiterer Befreiungsschlag nach dem berauschenden 6:1 im Niedersachsenpokal-Halbfinale. Am kommenden Mittwoch wird es aber noch eine Schippe drauf brauchen, denn das Nachholspiel beim SV Atlas Delmenhorst steht an.
BSV Rehden
1. Mannschaft
TuS Bersenbrück
1. Herren / Oberligateam

