Manneh in 90+5 – Gefühlsausbruch in der letzten Sekunde
Da kommen die Zuschauerinnen und Zuschauer im Hasestadion im Culimeta-Sportpark doch mal so richtig auf ihre Kosten: Das Oberligateam steckt trotz dreier Gegentore nicht auf und krallt sich mit dem allerletzten Spielzug einen emotional unschätzbar wichtigen Heimsieg gegen den TSV Wetschen.
Teamchef-Debüt geht denkbar schlecht los
Dabei sollte anfangs alles anders kommen. Das neue Teamchefgespann aus Jules Reimerink und Thorsten Marunde-Wehmann muss bereits in der 5. Minute zusehen, wie Mathis Wellmann an der rechten Seitenauslinie verschätzt und den Ball an die pressenden Wetschener verliert. Über eine weitere Station landet die Kugel im rechten Strafraum, wo Lennart Bors Nils Böhmann im kurzen Eck zum 0:1 überwindet. Und es kommt noch dicker: Nur fünf Minuten später können die Bersenbrücker eine Ecke von rechts nur unzureichend klären, sodass Aljoscha Wilms mit einem Schuss aus der zweiten Reihe auf 0:2 erhöhen kann (10. Minute).
Was für eine Hypothek für das so hoffnungsvoll startende Duo! Es dauert weitere Minuten, bis das Oberligateam den Weg zurück ins Spiel findet, auch wenn es vorerst nicht für Tore reicht. Markus Lührmann setzt seinen Versuch per Kopfball nämlich nur an den Pfosten (19.). Somit geht es also tatsächlich mit dem Zwei-Tore-Rückstand in die Pause, der Weg zum ersehnten Heimsieg scheint zu diesem Zeitpunkt extrem weit.
Nach Doppelschlag ein Spiel mit offenem Visier
Spätestens mit dem Wiederanpfiff schwört sich der TuS Bersenbrück aber endgültig auf die Aufholjagd ein. Tatsächlich dauert es nur knapp 12 Minuten, als Connor Rohra einen nicht unähnlichen Treffer zum zweiten Tor des TSV Wetschen erzielt. Der junge Defensivmann lauert im Rückraum auf den zweiten Ball nach einer Ecke und hat bei seinem Abschluss Glück, dass zahlreiche Wetschen-Beine reihenweise danebentreten (57.). In der Folge dreht die Elf von Reimerink und Marunde-Wehmann weiter auf und holt in Person von Saikouba Manneh einen Strafstoß heraus. Manneh spielt einen Doppelpass mit Michel Eickschläger und wird dadurch in die Tiefe geschickt. Am rechten Strafraumeck kann der gambische Flügelstürmer dann nur mit einem Foul gestoppt werden. Markus Lührmann nimmt sich der Sache an und verwandelt sicher zum 2:2 – alles wieder auf Gleichstand (65.).
Die Geschichte dieses Heimspiels endet jedoch noch lange nicht. Gleich danach hat Saikouba Manneh die große Chance, das Spiel vollständig zu drehen, kann sich für seine Leistung aber noch nicht mit einem Tor belohnen. Stattdessen sind es die Gäste aus Wetschen, die kurz vor Anbruch der Schlussphase noch einmal Aufwind bekommen: Erst kann Nils Böhmann einen gefährlichen Kopfballversuch parieren, bei der folgenden Ecke ist er gegen einen technisch sauberen Volley-Abschluss aber machtlos, und auf einmal steht es 2:3 für den TSV (74.). Den eminent wichtigen Auswärtssieg der sich gegen den Abstieg anstemmenden Gegner wir in den nächsten 20 Minuten mit Mann und Maus verteidigt, doch das letzte Wort in diesem Spiel soll der TuS Bersenbrück behalten.
Mit dem fünften (!) Standardtor des Tages trägt sich Patrick Greten in die Torschützenliste ein. Unser Innenverteidiger kommt einer kurzen Eckballflanke von links entgegen und köpft den Ball mit dem Hinterkopf im hohen Bogen auf den langen Pfosten. Wetschen-Keeper Lars Goebel kann nur hinterherschauen, als die Kugel sich so tatsächlich in die hintere rechte Netztasche senkt (80.). Ein sechtes Tor nach Standards wäre auch zu viel des Guten gewesen, und dennoch schrammt das Oberligateam nur vier Minuten später knapp an dieser Marke vorbei. Philipp Schmidt bringt eine gefährliche Freistoßflanke von rechts in den Strafraum, wo ein Kopfball aus dem nur am Pfosten landet.
Weil der TSV Wetschen genauso wie der TuS Bersenbrück weiß, dass er mit einem Unentschieden nur wenig anfangen kann, werfen die Gäste in der Nachspielzeit noch einmal alles nach vorne. Connor Rohra und Nicolas Eiter gewinnen mit zwei wichtigen Abwehraktionen aber ihre Zweikämpfe, sodass ein Angriff in der fünften Minute der Nachspielzeit zunächst vereitelt wird. Der Ball landet in der TSV-Innenverteidigung, wo Markus Lührmann und Saikouba Manneh wie zwei Geier auf den entscheidenden Moment zum Angriff warten. Und dieser Moment kommt tatsächlich: Der Wetschener Defensivmann leistet sich einen fatalen ersten Kontakt und verliert den Ball umgehend an Markus Lührmann, welcher wiederum Saikouba Manneh in die Tiefe schickt. Mit der letzten Kraft in den Beinen spitzelt der so fleißige Stürmer die Kugel am herauseilenden Keeper vorbei und nimmt sich dann einen nicht ganz einfachen Abschluss von halbrechts. Der zweite Gäste-Verteidiger kommt mit seiner Grätsche knapp zu spät, der Ball liegt tatsächlich ein siebtes Mal insgesamt und ein viertes Mal für den TuS Bersenbrück im Tor, es steht 4:3 und Schiedsrichter Björn Behrens pfeift das Spiel nicht wieder an.
In diesem Augenblick bricht es nur so aus allen Bersenbrückerinnen und Bersenbrückern aus. Nach diesem Horrorstart ein solches Finish hingelegt, das war ein großer Kraftakt und ein womöglich elementarer Moment für den restlichen Saisonverlauf. Womöglich ein Brustlöser, mindestens aber ein kräftiges Lebenszeichen einer Truppe, die sich einem großen, gemeinsamen Ziel verschworen hat.
TuS Bersenbrück
1. Herren / Oberligateam
TSV Wetschen
1. Herren

