Fulminanter Finaleinzug! Noch ein Schritt bis zum DFB-Pokal
Prinzip Ketchupflasche im Jadestadion: Auf einmal klappt gegen den SV Wilhelmshaven alles. Im Halbfinale des Krombacher Niedersachsenpokals braucht das Oberligateam 45 Minuten, um spielerisch warm zu werden, und zerpflückt die Gastgeber letztendlich mit 6:1! Von kuriosen Toren, Comebacks und Statement-Leistungen.
Zwei Schlitzohren übertünchen eine nervöse Halbzeit
Wo soll die große Sicherheit auch herkommen? Auch wenn der Pflichtspielwettbewerb am Ostermontag nicht Oberliga Niedersachsen sondern Krombacher Niedersachsenpokal heißt, braucht der TuS Bersenbrück einige Zeit, um sich Stabilität zu verschaffen. Cheftrainer Andy Steinmann muss außerdem auf Marcos Álvarez verzichten, der sich am Gründonnerstag im Training am Knöchel verletzte. Im Gegenzug kann der Übungsleiter aber wieder auf Simon James zurückgreifen, der seinen Bänderriss aus dem Fortuna-Cup endlich auskuriert hat.
Während Simon James vorerst auf der Bank Platz nimmt, nominiert Andy Steinmann Jeremiah Winter als Rechtsverteidiger in die Startelf. Früh wird klar: Diese Entscheidung wird der Coach nicht bereuen. Der aggressiv nach vorne verteidigende Jeremiah zeigt vom Start weg reihenweise Defensivzweikämpfe aus dem Lehrbuch und hat damit großen Anteil an der starken Vorstellung der TuS-Abwehr.
Im eigenen Vorwärtsgang ist die Partie zunächst aber eher durch Ungenauigkeiten geprägt. Es ist fast eine Ironie des Schicksals, das man eine solche Ungenauigkeit auch Saikouba Mannehs Flankenversuch aus der 7. Minute unterstellen könnte: Michel Eickschläger dreht auf der rechten Außenbahn ab und legt zurück auf Manneh, der sich aus locker 25 bis 30 Metern Entfernung für eine First-Touch-Hereingabe vor das Wilhelmshavener Tor entscheidet. Wir werden nie erfahren, was genau hinter der Torschussflanke stecken sollte, doch Mannehs Ball wird immer länger, sodass SVW-Torhüter Nikolaos Koliofoukas sich nur vergeblich strecken kann und den Ball zum ersten Mal aus dem Netz fischen muss (7. Minute).
Dieses kuriose Tor gibt Rückenwind, doch die nächsten 20 Minuten gehören dem SV Wilhelmshaven. Die Gastgeber tun sich ihrerseits offensiv seit Wochen schwer, kommen aber immer wieder in die gefährliche Zone. Schlussendlich scheitert der SVW aber zu häufig daran, eine gute Position auch für einen gefährlichen Abschluss zu nutzen. Zu allem Überfluss fällt kurz vor der Pause das 0:2 für den TuS Bersenbrück: Nicolas Eiter schleudert einen Einwurf von der linken Seite bis tief in den Strafraum. Dort verfehlt Markus Lührmann noch seinen Kopfballversuch, doch hinter ihm wartet Michel Eickschläger, der nicht gedeckt wird und deshalb im Stehen frei zum Kopfball kommt. Sein Versuch mit dem Hinterkopf gleicht einem Lupfer, der sich im hohen Bogen in die lange Ecke senkt (43. Minute).
Auf die schnelle Entscheidung folgt die Kür
Die ein Tor zu hohe Pausenführung verspricht etwas Entspannung für die Gemüter der mitgereisten Bersenbrückerinnen und Bersenbrücker. Klar ist aber auch: Nach dem Seitenwechsel gilt es, in den ersten 10 Minuten die Kontrolle an sich zu reißen, um kein wildes Hin und Her zu provozieren.
Der springende Punkt dieses Halbfinals? Im Vergleich zu den Leistungen der vergangenen Monate, als das Oberligateam sich extrem schwer tat, seine Performance über die gesamte Spieldauer aufrechtzuerhalten, gelingt der Mannschaft am Ostermontag genau das Gegenteil. Es sind keine fünf Minuten im zweiten Durchgang gespielt, da schlägt Nicolas Eiter eine seiner vielen langen Hereingaben in den gegnerischen Sechzehner. Wieder landet der Ball bei Michel Eickschläger, dessen Schuss aus der Drehung aber noch abgeblockt wird. Den zweiten Ball sammelt aber Markus Lührmann auf, der die Kugel mit einem Kontakt verarbeitet und mit dem zweiten Touch den rechten Winkel anvisiert. Von der Unterkante der Latte springt der Ball über die Linie – es steht 0:4 und das Tor zum Finale ist sperrangelweit auf (49.).
Wiederum nur wenige Minuten später köpft Saikouba Manneh am langen Pfosten eine Ecke von links zurück ins Geschehen. Philipp Schmidt versucht es zunächst mit der Hacke, scheitert aber. Dennoch steht der Außenverteidiger genau richtig um den Rebound per Volley mit der linken Innenseite ins lange Ecke zu passen (55.). In diesem Augenblick fällt auch die letzte Last von den Schultern, denn im Rückblick ist der Finaleinzug mit diesem vierten Tor perfekt.
Wilhelmshaven bäumt sich zwar nochmal leicht auf, indem es erst einen Abschluss knapp rechts vorbei setzt und dann endlich das insgesamt verdiente einzige Tor erzielt, als die TuS-Abwehr für einen Moment nicht aufmerksam verteidigt (59.). Die Reaktion auf dieses Gegentor zeigt jedoch, dass kein Zweifel am Sieger dieser Partie herrscht. Saikouba Manneh hat das 1:5 im direkten Gegenzug auf dem Fuß, scheitert aber noch am stark parierenden SVW-Keeper. In der 70. Minute nimmt Markus Lührmann dann aber einen Steckpass von Michel Eickschläger mit bis zur Grundlinie und sieht Philipp Schmidt wartend vor dem Tor. Markus' Hereingabe muss Philipp nur noch mit der Brust in das Tor abprallen lassen, um seinen Doppelpack zu schnüren (70.).
Einen weiteren emotionalen Höhepunkt liefert das sechste und letzte TuS-Tor des Nachmittags. Wenige Augenblicke zuvor betritt nämlich der endlich genesene Simon James wieder den Rasen. Nach seiner Bänderverletzung im Fortuna-Cup arbeitete der Flügelstürmer lange an seinem Comeback und kann nun endlich wieder für die Rot-Weißen auf Torejagd gehen. Diesen Auftrag nimmt er so ernst, dass er mit der ersten Aktion nach seiner Einwechslung elfmeterwürdig gefoult wird: Eine Ecke von rechts landet gar nicht erst im Strafraum, weil Simon im Vorfeld regelwidrig im Strafraum gehalten wurde. Den fälligen Strafstoß verwandelt der 21-jährige selbst und sorgt damit ein weiteres Mal für frenetischen Jubel aus Bersenbrück (76.).
Ohne Nachspielzeit wird das Krombacher Niedersachsenpokal-Halbfinale im Jadestadion nach 90 Minuten abgepfiffen. Es ist ein Halbfinalsieg, der sich wie ein großer Ausatmer anfühlt. Ordentlich Frust von und Balsam für die Seele, auf dem Rasen wie auf den Rängen. Vor allem aber steht als Ergebnis der Platz im Finale und die Chance auf eine Rückkehr in den heiligen Gral des deutschen Amateurfußballs, den DFB-Pokal.
Finale gegen LSK Hansa live im Fernsehen
Am 23. Mai wird ausgespielt, wer die Trophäe des zweitgrößten Bundeslandes in die Höhe recken darf. Aufeinander treffen der TuS Bersenbrück und der Lüneburger SK Hansa, der sich im anderen Halbfinale mit 2:1 gegen den 1. FC Germania Egestorf-Langreder durchsetzte. Im Vergleich zum letzten Finale mit Bersenbrücker Beteiligung gibt es dabei einige Änderungen: Das Finale des Krombacher Niedersachsenpokals wird weder in Bersenbrück noch in Lüneburg gespielt.
Stattdessen findet das Spiel im August-Wenzel-Stadion in Barsinghausen statt. Auf der Anlage des NFV befindet sich also der neutrale Rasen, sodass kein Team einen Heimvorteil hat. Außerdem ist das Finale 2026 Teil des Finaltags der Amateure. Das bedeutet, dass die Partie am selben Tag mit allen anderen Landespokalfinals gespielt wird, die gemeinsam über den Tag verteilt LIVE in einer ARD-Konferenz übertragen werden. Die genaue Anstoßzeit steht noch nicht fest. Über alles weitere folgen Infos, sobald sie dem Verein zur Verfügung stehen.
SV Wilhelmshaven
1. Mannschaft
TuS Bersenbrück
1. Herren / Oberligateam

