Mitreißender Pokal-Fight mit Sieg im Elfmeterschießen
Was für ein Viertelfinale! Die Bersenbrücker Jungs beweisen große Moral und revanchieren sich beim 1. FC Germania Egestorf-Langreder. Markus Lührmann trifft dreifach, den entscheidenden Elfmeter verwandelt Jeremiah Winter: Ab ins Halbfinale!
Große Rotation in der Startelf
Nach dem schwachen Auftritt im Oberliga-Duell gegen den 1. FC Germania ändert Cheftrainer Hanjo Vocks seine Startaufstellung auf gleich sechs Positionen. Der angeschlagene Max Milde wurde nicht rechtzeitig fit, für ihn steht Jannik Wittmann im Tor, der vergangene Woche schon eingewechselt wurde. Auf der Bank nimmt außerdem erstmals Nils Böhmann Platz, für den Routinier ist es das Kader-Comeback nach lästigen Problemen an der Patellasehne.
Darüber hinaus fehlt der gesperrte Omar Ceesay im Aufgebot, für ihn schickt Hanjo Vocks Simon James ins Rennen. Neben Simon und Jannik stehen Patrick Greten, Maik Emmrich, Philipp Schmidt und Saikouba Manneh ebenfalls neu in der Startelf.
Vom Anpfiff weg zeigt das Oberligateam ein anderes Gesicht als beim blamablen 0:4. Gerade im mittleren Drittel gelingen den Außenverteidigern Patrick Greten und Philipp Schmidt sowie den beiden zentralen Mittelfeldspielern Sven Lameyer und Mathis Wellmann viele Ballgewinne, wodurch die Hausherren ihre angepeilte Spielkontrolle nicht wie erhofft etablieren können. Im Spiel mit dem Ball klappt allerdings auch beim TuS Bersenbrück nicht alles, sodass sich früh ein kampfbetontes Spiel anbahnt.
Ein Viertelfinale kommt in Schwung
Den ersten Stich setzen dann aber doch die Bersenbrücker Jungs: Philipp Schmidt spielt Simon James auf dem linken Flügel frei, der dadurch auf den Strafraum zudribbeln kann. Ein Haken Richtung Grundlinie gibt dem umtriebigen Flügelspieler genug Raum, um vor das Tor zu flanken. Markus Lührmann steht genau richtig, um die Kugel in das leere Tor zu bugsieren und damit zur Führung zu treffen (26. Minute).
Mit dem Aufwind des 1:0 hat der TuS Blut geleckt. Knapp zehn Minuten später rollt wieder ein Angriff über links, von wo Maik Emmrich eine Flanke an den zweiten Pfosten schlägt. Saikouba Manneh steigt hoch zum Kopfball und legt den Ball zurück, verfehlt damit aber Markus Lührmann. Im Rückraum kommt jedoch Patrick Greten eingelaufen, der platziert in die untere linke Ecke abschließt, doch auf der Linie steht ein Germania-Bein dazwischen. Ein Flashback zu letztem Sonntag, als so die Riesenchance auf das 1:2 verhindert wurde. Und es kommt noch schlimmer: Im direkten Gegenzug erwischt Hannes Milan der Bersenbrücker Verteidigung, nimmt einen langen Ball perfekt an und überlupft mit dem zweiten Kontakt den herauseilenden Jannik Wittmann zum überraschenden Ausgleich – 1:1 (37.).
Als wäre die Dramaturgie dieser Partie nicht schon ausreichend vorgezeichnet, verletzt sich Kapitän und Taktgeber Nicolas Eiter kurz vor der Pause im Kampf um den Ball an der Außenlinie. Für ihn kommt Eduard Cotor ins Spiel, und mit ihm liegt das Durchschnittsalter der Innenverteidigung inklusive Torwart bei zarten 19 Jahren. In der zweiten Halbzeit steht also eine schwere Prüfung für die Routiniers von morgen bereit.
Abteilung "Jugend forscht" beißt sich rein
Nach dem Seitenwechsel setzt das Oberligateam noch stärker auf Umschaltfußball und konzentriert sich ansonsten vermehrt auf das Verteidigen. Für die junge Defensive endet die erste intensive Viertelstunde aber mit einer Belohnung: Saikouba Manneh gewinnt das Kopfballduell nach eigenem Einwurf und verlängert so auf Maik Emmrich. Im rechten Mittelfeld entscheidet sich dieser für den richtigen Laufweg in die Mitte und kann so seinem Verfolger entwischen. Maik spielt daraufhin nach vorne zu Markus Lührmann, der eigentlich einen Laufweg hinter die letzte Kette angeboten hatte. Stattdessen erhält der Mittelstürmer den Ball aber in den Fuß und sieht sich daher direkt einem Zweikampf gegen den letzten Mann ausgesetzt.
Was folgt, ist eine Stürmer-Aktion zum Zungeschnalzen. Markus Lührmann schiebt seinen Körper heraus und verhindert so, dass sein Gegenspieler mit einem langen Bein den Ball wegspitzeln kann. Gleichzeitig nimmt der Aushilfskapitän die Kugel mit dem rechten Fuß an und dreht sich um die eigene Achse, um dadurch plötzlich eine völlig freie Bahn Richtung Tor vorzufinden. Zwei Kontakte in den Raum später – der Ball liegt ungünstig für einen Abschluss mit dem starken rechten Fuß – entscheidet sich Markus überraschend früh für einen Abschluss mit links in die flache rechte Ecke. Damit überlistet er den herauseilenden Keeper, der seine Spannweite nicht rechtzeitig ausfahren kann, und schnürt seinen Doppelpack zum 1:2 (59.).
30 Minuten vor Ablauf der regulären Spielzeit schalten die Bersenbrücker Jungs endgültig auf Defensive um und überlassen damit Egestorf die allermeisten Spielanteile. Zwar kommen die Hausherren punktuell zu aussichtsreichen Chancen, doch so richtig zwingend torgefährlich wird es lange nicht. Gleichzeitig liegt ganz offensichtlich in der Luft, dass diese Abwehrschlachten selten so ausgehen wie erhofft. In der Schlussphase, die Ziellinie schon in Reichweite, passiert es dann: Erst die Spielverlagerung von links nach rechts, dann die lang und länger werdende Flanke von links an den zweiten Pfosten. Hasan Özdemir vom 1. FC Germania steigt am höchsten und Jannik Wittmann hat bei dem Kopfball keine Abwehrchance (83.).
Und es kommt noch dicker. Eine sonst so konzentrierte Abwehrleistung zeigt einen der wenigen Risse, als Justus Warnking wenige Momente nach Wiederanpfiff im Aufbauspiel auf dem Ball ausrutscht und ihn an den heraneilenden Pino Ballerstedt verliert. Dieser läuft allen davon und überwindet auch Jannik Wittmann, um das Spiel endgültig in Richtung Egestorf-Langreder zu drehen (85.).
Wie der Lührmann aus der Asche
Fußball ist dann aber doch ein magischer Sport, denn mit dieser erstmaligen Führung für die Hausherren kippt das Momentum wieder in die genau gegenteilige Richtung. Auf einmal spielt der TuS Bersenbrück wieder Angriffe aus, und wie! Die jeweils eingewechselten Jeremiah Winter, Michel Eickschläger und Mikael Rodriguez kombinieren sich mit zwei schnellen Pässen über die rechte Außenbahn bis zur Grundlinie, wo Mikael frei flanken kann.
Während Eduard Cotor und Maximilian Lepper den Fünferraum attackieren ist es ausgerechnet Markus Lührmann, der an der Strafraumgrenze lauert und dort auch von Mikael Rodriguez gefunden wird. Dessen Flanke kommt eigentlich eher unangenehm hoppelnd beim Doppelpacker an, doch Markus Lührmann gelingt in diesem Viertelfinale einfach alles: Kurz bevor der Ball wieder aufkommt, nimmt Markus den Ball direkt per Volley und trifft ihn perfekt. Die Kugel fliegt im hohen Tempo flach über den Rasen und schlägt doch tatsächlich zum 3:3 im Netz ein (87.).
Fast findet dieser Sonntagnachmittag noch den absoluten Höhepunkt seiner Verrücktheit, als Sven Lameyer und Maximilian Lepper gemeinsam den Ball in der Rückwärtsbewegung gewinnen und den Hattrick-Schützen Markus Lührmann anspielen. Parallel setzt Michel Eickschläger zu einem letzten Sprint an, den Markus mit einem Ball aus dem Lehrbuch in die Tiefe tatsächlich belohnt. Michel umkurvt den Keeper, hat das leere Tor vor sich und platziert seinen Abschluss auch dementsprechend, doch wie schon mehrmals in den jüngsten Duellen gegen Egestorf-Langreder wird der Schuss auch dieses Mal in höchster Not von der Linie – dieses Mal mit einer langen Grätsche – geklärt. Es bleibt also beim 3:3.
Wir haben heute nicht unseren besten Fußball gespielt, aber das ist auch total egal. Welche Moral wir hier nach dem späten 3:2 gezeigt haben und nach dem 3:3 sogar fast noch das 3:4 schießen, Hut ab. In meinen Augen hat dieses Spiel daher seinen verdienten Sieger gefunden.
Als nächstes sieht die Ausschreibung des Krombacher Niedersachsenpokals ein Elfmeterschießen vor. Das Momentum liegt klar beim Team von Cheftrainer Hanjo Vocks, doch der Stachel aus dem verlorenen Elfmeterschießen im letzten Pokalfinale sitzt weiterhin tief. Die ersten fünf Bersenbrücker Schützen Markus Lührmann, Sven Lameyer, Patrick Greten, Mathis Wellmann und Michel Eickschläger treffen jedoch alle, sodass das bis dato makellose Elfmeter-Duell eine Extrarunde dreht. Weil der sechste Schuss von Egestorf-Langreder neben dem Tor landet, hat Jeremiah Winter daraufhin die große Chance, seinen TuS Bersenbrück in das Halbfinale zu schießen. Der Außenverteidiger läuft an und setzt seinen Versuch so eiskalt in die obere rechte Ecke, dass selbst der dreifache (exklusive seines Elfmeters) Torschütze Markus Lührmann neidisch werden könnte.
Damit endet also ein wahnwitziges Niedersachsenpokal-Viertelfinale in Barsinghausen. Der TuS Bersenbrück überwintert mal wieder im Pokal und darf sich bereits jetzt auf ein spannendes Duell gegen den SC Spelle-Venhaus, dem BSV Rehden oder dem SV Wilhelmshaven freuen.
1. FC Germania
1. Mannschaft
TuS Bersenbrück
1. Herren / Oberligateam

