Im „Kirchenbote“ - Wochenzeitung für das Bistum Osnabrück – fand ich in der Ausgabe vom 08.11.2015 folgenden Beitrag von Christoph Stender, den ich wörtlich hier wiedergebe:

Stell dir vor, da geht ein Promi und keiner schaut hin. Was wären all die Betuchten, die in Roben auf den roten Teppichen schreiten, oder die, die sich auf Siegertreppchen feiern lassen, wenn kein anderer davon Kenntnis nähme, klatschte oder vor Rührung in Ohnmacht fiele. Prominenz ermöglichen meist die Menschen, die selber nicht prominent sind. Jene also, die nur an den Straßenrändern des Erfolges stehen, die von hinter den Absperrungen aus auf die roten Teppiche starren, oder die aus der Entfernung auf die Siegertreppchen schauen. Prominente werden letztlich durch ihre Zuschauer gekürt.

Als vor vielen Jahren die Fußballmannschaft einer mittelgroßen Stadt in Deutschland in die Bundesliga aufstieg, lang ist es her, da präsentierte die Stadtverwaltung die Portraits ihrer Helden in den Fenstern ihres Rathauses, von weitem gut sichtbar.

Obwohl ich kein Fußballfan war, schon als Kind trat ich immer neben den Ball, fand ich es okay, den Helden der anderen solch prominenten Platz zu geben.

Damit einher machte ich den Vorschlag, die Plätze in den Rathausfenstern auch mal für Menschen freizuhalten, die sich beispielhaft in der Stadt engagieren für sozial Schwache, Geringverdiener, Fremde, Flüchtlinge oder auch für die, die aus kleiner Geldbörse spenden. Schließlich geben sozial engagierte Menschen genauso wie Gewinner im Sport der Stadt ein Gesicht. Bis heute sind die Helden des sozialen Engagements in den Fenstern des Rathauses dieser Stadt nicht aufgetaucht.

Meine Meinung:

„Prominent“ - ein dehnbarer Begriff - steht für anerkannt, angesehen, bedeutend, bekannt, berühmt, geachtet, schließlich auch weltberühmt, weltbekannt. Medien berichten täglich ausführlich über Prominente, die auf den unterschiedlichsten Bühnen des Weltgeschehens stehen. Sie geben dem Zeitgeschehen ein Gesicht, dessen Wahrnehmung und Bewertung sehr unterschiedlich sein kann und darf.

Prominente Menschen bewegen sich aber nicht nur auf großen Bühnen, sondern auch auf kleineren. So gibt es viele Menschen, die das Leben in unserer Stadt Bersenbrück mehr oder weniger intensiv mitprägen und zwar auf unterschiedlichste Art und Weise. Sie geben der Stadt ein Gesicht, dass sich nicht nur in äußeren Fassaden widerspiegelt, sondern sie gestalten auch das „Innenleben“, das vornehmlich ein Wohlgefühl und Wohlgefallen erzeugen soll. Soziales Engagement im größeren Rahmen ist dafür unerlässlich. Es kann in großen und kleineren Aktionen und Aktivitäten verwirklicht werden, es kann sich nach individuellen Möglichkeiten und Interessen ausrichten.

Entscheidend ist aber auch, dass das lobenswerte Engagement von der breiten Öffentlichkeit gesehen , anerkannt und mitgetragen wird. Ein kritischer Umgang sei erlaubt, eine verbreitete Nörgelei sollte sich aber in Grenzen halten. Es täte gut, sozial Engagierten ein wenig mehr Achtung und Ermutigung zuzusprechen, persönlich oder in Gesprächen am Stammtisch oder beim Kaffeeklatsch. Mitgestaltende Personen des Stadtlebens mit (vielleicht auch besonderen) Verdiensten – sozusagen „Prominente“ - , müssen nicht gleich bildlich in den Fenstern des Rathauses gezeigt werden. Die politisch Verantwortlichen und örtlichen Vereine leisten durch Ehrungen und andere Aktivitäten regelmäßig ihren Beitrag, Alle Bürger; denen das Gesicht unserer Stadt nicht egal ist, sollten nicht vergessen, hin und wieder, „positive Signale“ auszusenden. Übrigens gestaltet jeder einzelne Bewohner durch sein Auftreten und Handeln – und sei es minimal – das Gesicht und das Ansehen unserer Stadt (und unseres Landes) mit.

Auch der Sport und unser TuS prägen das Gesicht mit. Vordergründige Erfolge wie wir sie gerade im Fußball und Volleyball erleben, vorbildliche Vereinsarbeit in der Breite, gelebter Gemeinschaftssinn und die Repräsentation durch Aktive und Anhänger gestalten es mit. Es kann sich sehen lassen, doch bedarf es immer wieder guttuenden Impulsen durch möglichst viele, die dem Verein nahe stehen und seine immense gesellschaftliche Bedeutung erkannt haben. Wohltuende, aufbauende Impulse und Signale sind Wertschätzung (oft ehrenamtlich) geleisteter Vereinsarbeit sowie gelegentliche tatkräftige Unterstützung. Ignoranz und unsachliche Bewertungen und Verhaltensweisen sind Störfaktoren, die auf Dauer „Sand ins Getriebe streuen“ und hier und dort zur Resignation bereitwilliger Akteure. und Mitgestalter führen. Weitblick und Einsicht, überlegtes Handeln und auch Einfühlungsvermögen sind konstruktiv für eine positive Ausstrahlung, die das Gesicht eines Vereins, aber auch das unserer Stadt prägen kann.

Hermann Thöle